Ankunft in LaPaz

Liebe Familie, liebe FreundInnen! Während ich eines Tages mit Ayde auf die kleinen Ballerinas wartete, stellte sich heraus, dass ich Anfang Dezember nach La Paz reisen werde. Für mich kam diese Nachricht sehr unerwartet. Mein Plan war eigentlich ganz zum Read More

Ein erster Eindruck aus Cochabamba

Liebe Familie,Liebe FreundInnen! Mittlerweile bin ich schon über einem Monat im schönen Cochabamba, Bolivien, und seit drei Wochen in dem Mädchenheim „Hogar San Francisco“. Am Sonntag den 03. November geschah meine spontane Übersiedlung aus der gemütlichen und behüteten Behausung von Read More
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Ankunft in LaPaz

Liebe Familie, liebe FreundInnen!

Während ich eines Tages mit Ayde auf die kleinen Ballerinas wartete, stellte sich heraus, dass ich Anfang Dezember nach La Paz reisen werde. Für mich kam diese Nachricht sehr unerwartet. Mein Plan war eigentlich ganz zum Schluss meiner Reise (Ende Januar) ein paar Tage in La Paz zu verbringen.

Naja, diesmal hatte ich aber noch eine gute Woche, um mich auf eine weitere Umsiedlung einzustellen. In der Nacht vom 11. Dezember verließ ich Cochabamba mit dem Flugzeug.
 

La Paz - verrückt und zauberhaft

Ich steige aus dem Flugzeug heraus und eine eisige Kälte umgibt mich. Der Höhenunterschied macht sich bemerkbar!
Zwei liebe Gestalten, Norah und Nilton, warten auf mich und wir fahren zu Norahs Haus, wo sie mit ihrer Tochter Wara wohnt.
Auf dem Weg werfe ich einen ersten Blick auf La Paz: viele steile Hänge, an denen die Lichter der Gebäude die Dunkelheit erhellen, liegen vor mir.
Norah und Nilton erzählen mir, wie schrecklich und gefährlich es hier noch vor ein paar Wochen war. Jetzt verliefe aber alles wieder normal. Am Haus angekommen, stelle ich mein Gepäck in mein neues Zimmerchen ab und wir machen uns gleich wieder auf den Weg zu einer Freundin.

Die Straßen von La Paz gehen entweder runter oder rauf - ein geradeaus gibt es kaum. Im Wohnzimmer der Freundin erwarten uns viele 53/54 Jährige, schicke Frauen. Es findet eine Réunion der Schulklasse statt.
Ich bin die einzige junge Person - macht aber nichts. Es wird darauf angestoßen, dass man noch gut drauf und am Leben ist. Es werden weitere Reden gehalten, gegessen, getrunken und getanzt.

Mein erster Abend endet mit einem Gruppentanz auf bolivianische Art und Weise.

Der nächste Tag startet etwas ermüdet am Frühstückstisch mit Norah und Wara. Als wir uns fertig machen und rausgehen, habe ich keine Ahnung was mich erwartet.

Norah spricht von „Senda“. Was das ist, erfahre ich, als ich drin stehe: ein kleineres Haus mit zwei Stockwerken. An der Wand hängt ein Plakat auf dem „Bienvenida Kaya“ steht.
Das ist also das andere Heim. Allerdings wohnen die SchülerInnen und Studierenden nicht im Haus, sondern kommen vorbei, um gemeinsam zu essen, in Ruhe zu lernen oder sich von ihren Betreuern Rat und Hilfe zu holen.
Vereinzelt treffe ich ein paar der Leute an, die herein trudeln.

Meine erste Aufgabe ist es, Weihnachtsfee zu spielen. Ich packe etwa 40 Alpacadecken in Geschenkpapier ein. Eine junge Frau kommt herein und hilft mir dabei. Bei gutem Teamwork schaffen wir es auch, uns viel zu unterhalten und Informationen auszutauschen.

Bald gehen wir viele verwinkelte, steile Straßen hoch. Die Kälte vom Morgen ist verschwunden, vom Gehen wird mir noch heißer. Das Ende einer unheimlich steilen Straße erreichend, drehe ich mich um. Vor mir liegt eine wunderschöne Berglandschaft.
Rotbraune Häuser schmiegen sich an diese Berge wie Wassertropfen an ein Blatt. Im Tal ragen neue/alte, bewohnte/verlassene Edificios (Hochhäuser) in den Himmel. Zwischen den Häuserfronten ist der sich immer bewegende Teleferico zu sehen. Gleichmäßig schweben die Gondeln hin und her.

Wir kaufen Zement für die Restaurationen, die gerade am Haus gemacht werden, und nehmen uns für den Rückweg ein Taxi. Beim Mittagessen lerne ich ein paar weitere Leute kennen, u.A. ein junges Pärchen mit ihrer Tochter.
Nachdem wir ein Zimmer entrümpelt, geputzt und wieder neu eingerichtet haben, verbringe ich mit zwei anderen Leuten Stunden damit, die Geschenke dreimal wieder auf- und zuzumachen, denn es gibt drei spezielle Decken für diejenigen, die gerade ihre Schule abgeschlossen haben.
Am Abend machen wir (Norah, Wara, Nilton und ich) uns mit dem Auto auf den Weg durch die verwinkelten Straßen, um nach sehr viel Panetone Ausschau zu halten. Danach fahre ich zum ersten Mal mit dem Teleferico, der die Menschen in der ganzen Stadt wie eine Straßenbahn verbindet.
Wir sind hoch über den Straßen und schweben nah an den großen Edificios vorbei. Es geht steil hinauf. Auf der anderen Seite das Berges befindet sich im Tal das Zentrum. Dort stehen die meisten hochgebauten Edificios. Es ist dunkel, der riesengroße Vollmond scheint über dem Berg. Ich befinde mich in einem Lichtermeer, die Stadt um mich herum.
Kaya2019 IMG 4086 xsSo über den Dächern zu schweben ist ein Traum - wirklich zauberhaft.

Unser Ziel ist ein großer Markt. Viele Stände reihen sich in engen, steilen Straßen aneinander, der Boden ist voller Müll.Hier kaufen wir Geschenke für die Chicos in La Paz und ich finde ein Monopoly und Filme, die ich den Chicas in Cochabamba mitbringen möchte. Weihnachtsgeschenkebesorgen ist für dieses Jahr erledigt.

Am nächsten Tag fahre ich mit Karina weit raus aus La Paz, um mein Visum in der Migrationsstelle zu verlängern. Raus aus El Alto gibt es nur noch eine hügelige Wiesenlandschaft und ab und zu ein „Bauernhaus“. Dass hier im Nichts die Migrationsstelle sein soll, kommt mir fraglich vor. Schließlich kommen wir aber an einem kleineren Örtchen neben dem Titicacasee (!) an und machen uns auf dem Weg.
Dieser Ort scheint ein einziger Markt zu sein. Die Häuser sind meistens bloß aufeinander gestapelte Steine, kaum bewohnbar; dafür reihen sich aber unzählige Stände vor den Füßen der Häuser aneinander.
An der Migrationsstelle angekommen, regelt Karina, dass wir kurz nach Peru rein, und nach ein paar Stunden wieder raus gehen können.
Nach Peru? Wo ist Peru? Wir gehen raus, überqueren eine von Menschen überquellende Brücke und werden von einem großen Banner „Bienvenido en Peru“ willkommen geheißen.

Anscheinend ist dieser Grenzüberschritt nötig, um meine weiteren 30 Tage Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Hier in Peru sieht es kaum anders aus als auf der bolivianischen Seite hinter der Brücke.

Verkaufsstand reiht sich an Verkaufsstand. Nach einer kurzen Lufthol-Pause auf einem Steg des Titicacasees, machen wir uns auf die Suche nach einem Mittagessen. Ich denke, das kann ja nicht so schwer sein bei so vielen Angeboten, aber da habe ich mich getäuscht. Karina ist super wählerisch, wahrscheinlich weiß sie es einfach besser und kann einschätzen, ob man in dieser Bruchbude gutes Essen oder eine Lebensmittelvergiftung bekommt. Erfolgreich gesättigt schlendern wir noch lange durch die Straßen von Peru und ich kaufe fünf Alpacapullover für umgerechnet 32€. Auf dem Heimweg versuche ich im vollen Bus zu schlafen. Eine erneute Fahrt mit dem Teleferico, diesmal über den Dächern von El Alto (Armenviertel) runter nach La Paz, ist ein wunderschöner Abschluss für diesen abenteurlichen Tag. Und meine 30 Tage Verlängerung stehen erfolgreich im Pass geschrieben.

Am nächsten Tag findet eine Weihnachtsfeier im Hogar Senda statt. Es wird ein Pastor zum Predigen geholt, Geschenke verteilt und anschließend sehr reichlich gegessen. Danach laufe ich mit ein paar Anderen zu einer großen, breiten Straße, wo ein Weihnachtsumzug stattfindet. Viele verkleidete Leute von vielen verschiedenen Vereinen laufen an uns vorbei. Wir setzen uns an einen Hang, der nicht dazu gedacht ist, dass sich Leute auf ihm bewegen. Vom ständigen Versuch nicht dem Hang runterzurutschen und in die Menschenmenge hinein, hab ich später Muskelkater in den Beinen.
Am Sonntag besuche ich morgens einen lutheranischen Gottesdienst. Die Pastorin habe ich in Cochabamba kennengelernt. Es sind ca. 10 Teilnehmer in der Kirche anwesend . Fast alles sind ältere und deutsche Leute. Eine Chica begleitet mich. Sie versteht den Gottesdienst nicht, denn er ist auf Deutsch. Am Mittag besuchen wir eine sehr schöne Felsenlandschaft in der Nähe von La Paz. La balle de la luna. Wie auf dem Mond erscheint die Umgebung.

Montagabend besuchen wir einen Weihnachtsmarkt. Dort finde ich wieder Alpaca Pullover und Filme zu günstigen Preisen. Der Geruch von frisch gebratenem Fleisch weht durch die Stände hindurch.
Am Dienstag besuche ich mit Norah noch einen Teil der Uni, bevor wir zusammen mit Wara und ihrem Papa nach Cochabamba zurückfliegen.
Im Hogar San Francisco angekommen, werde ich wieder lieb begrüßt von denen, die noch wach sind. Die Hermana Micky erzählt mir, dass ein paar Chicas die ganze Zeit fragten, wann ich denn wiederkomme. Die Wärme in Cochabamba umgibt mich wieder.

Ich wünsche allen ein zauberhaftes, warmes Weihnachtsfest (besonders an die Family in Tübingen - diese Jahr mal ohne mich!) und bis bald!

Viele liebe Grüße von ganz weit weg! Kaya

Tags: kaya, main, 2019

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