• Zwei Monate in Bolivien: Ein Abschlussbericht

    Nun sind bereits mehr als zwei Wochen vergangen, dass ich wieder auf deutschem Boden landete. Dabei gibt es doch noch so einiges zu berichten, was mir in meiner letzten Woche in La Paz so alles begegnete und überhaupt ist so ein allgemeiner Rückblick auf meine zwei Monate in Bolivien als ein Abschluss meiner Berichte ja auch was Feines. Also los gehts! Genau eine Woche vor meinem Abflug durfte ich Norah zu ihrem Seminar in der
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  • Vom Abschiednehmen und Kennenlernen

    Ein liebes Hallo aus dem verrückten La Paz! Ich bin nun seit dem 13.10. bei Norah und ihrer Familie. In dieser Zeit ist viel passiert, daher werde ich versuchen, ein Erlebnis nach dem anderen zu berichten. Entschuldigt also eine mögliche Berichtflut, aber es sind viele schöne Dinge geschehen, die hier ihren Platz finden sollten. Am Freitag vor meiner Abreise im Hogar San Francisco schnappte mich Hermana Mici und nahm mich gegen abend mit, ein paar
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  • Das Zeitgefühl benimmt sich wie ein Rennpferd

    Buenas tardes!Was ging die letzte Woche doch schnell um, wie im Fluge sozusagen. Ob dies nun mein letzter Bericht sein wird, den ich aus dem Hogar schreiben werde? Am Samstag geht es nämlich schon weiter nach La Paz, dieses Mal ohne Rückkehr. So langsam kommt hier bereits Abschiedsstimmung auf. Bei dem Gedanken, sie Samstag für eine wahrscheinlich längere Zeit zu verabschieden (denn natürlich will ich wiederkommen!), werde ich richtig traurig und auch viele Mädchen sind
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  • Ein Wochenende in La Paz

    Hola zusammen! Ich melde mich zurück von einem trubeligen und aufregenden Wochenende in der Bergstadt La Paz, denn ich wurde von der lieben Norah zur “Sendita Cultural” eingeladen. Einem Fest voller traditioneller bolivischer Tänze, Musik, Poesie und Theater, alles organisiert von den Jugendlichen der Tagesstätte Senda Nueva. Samstag um 7 Uhr früh ging es zum Flughafen in Cochabamba. Norah kümmerte sich bereits im Vorhinein um meine Flugtickets und ich musste mal wieder nichts anderes tun,
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  • Vom Glück einen Berg bestiegen zu haben

    Liebe Leute, es wird Zeit für einen neuen Beitrag. Es ist gar nicht so einfach, Zeit zum Schreiben zu finden. Eben gerade kam Lucie an und fragte, ob ich sie nun wieder anmalen könne: so viel zum Thema “Henna” aus dem vorherigen Beitrag. Auch die letzte Woche war bunt und ereignisreich. Es hat sich nun so entwickelt, dass ich sowohl Montags als auch Mittwochs Miriam zum Ballett begleite. Ich finde es sehr sinnvoll, dass jemand
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  • "Sie versteht es nicht" verstehe ich

    Hola liebe Menschen, nun kann ich endlich meinen ersten Eintrag verfassen. Und wie sollte es anders sein? Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll, denn die Tage sind bisweilen gefüllt von tausend neuen Eindrücken! Also einfach mal der Reihe nach. Meine Hinreise verlief ohne Probleme. Hatte ich vorher schon öfters gehört, dass das Gepäck gerne mal ein paar Tage später eintrudelt, durfte ich meinen Rucksack ein Glück sofort mitnehmen. Am Flughafen in Cochabamba wurde
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Zwei Monate in Bolivien: Ein Abschlussbericht

Nun sind bereits mehr als zwei Wochen vergangen, dass ich wieder auf deutschem Boden landete. Dabei gibt es doch noch so einiges zu berichten, was mir in meiner letzten Woche in La Paz so alles begegnete und überhaupt ist so ein allgemeiner Rückblick auf meine zwei Monate in Bolivien als ein Abschluss meiner Berichte ja auch was Feines. Also los gehts!

Genau eine Woche vor meinem Abflug durfte ich Norah zu ihrem Seminar in der Universität von La Paz begleiten. Es war ein schöner Tag für einen Besuch, begann genau an diesem Datum auch mein Semester in Hildesheim. Ich ging also zur Uni – nur eben nicht an meine. Wir fuhren mit den Gondeln hoch hinaus ins El Alto Viertel. Hier wehte bereits ein kalter Wind und die Wolken sahen bedrohlich dunkel aus. Ich war beinahe erschlagen von der Größe des Campus. Auch hier reihte sich ein Stand mit Süßigkeiten und Getränken nach dem anderen, so wie sie überall in der Stadt verteilt sind. Auf dem Weg in das Gebäude für die soziale Arbeit stiegen wir förmlich über kleine Müllberge. Norah erklärte mir, die Universität hätte kein Geld, so dass die Putzkräfte nicht mehr bezahlt werden können und diese nun schon seit einigen Wochen streiken würden. In ihrem Gebäude angekommen lobte sie dafür umso mehr ihre Studierenden, die alle im Wechsel die Reinigung übernahmen. Und es stimmte, im Haus war es sauber und ordentlich. Wir mussten nun nach ganz oben und da die Luft hier auf dem Berg doch sehr dünn ist, war es ein furchtbar anstrengender Aufstieg für mich. Auf dem Weg ins Seminar stellte Norah mich einigen Dozierenden vor, die allesamt mit mir englisch sprachen und mir mit großen Interesse entgegen traten. Obwohl ich fremd für sie war und sie ebenso für mich gab es auch hier ein Kuss auf die Wange zur Begrüßung. Ich mag diese Form der Begrüßung so sehr, begegnet man sich auf einer viel persönlicheren und gleichwertigen Ebene. Im Seminarraum angekommen, nahm ich neben einigen anderen Studierenden Platz und fühlte mich tatsächlich etwas in meine bekannte Umgebung versetzt – auch wenn eigentlich alles anders aussah. Es trudelten nach und nach immer mehr Leute ein, was sich so tatsächlich bis zum Ende der Veranstaltung durchziehen sollte. Ich konnte nicht anders, als stark verwundert über die Lässigkeit von Norah zu sein, die das Zuspätkommen scheinbar nicht im Geringsten störte. Bevor die Studierenden für 15 Minuten Plakate gestalten sollten, bat mich Norah, dass ich mich vor dem Kurs vorstellen möge. Zum Glück sprachen alle englisch, so dass ich etwas mehr erzählen konnte. Nach der kleinen Prüfung durch das Vorstellen der Partnerarbeit wurde gemeinsam Essen zubereitet – es gab Hähnchen und Weißbrot mit Ketchup und viel, viel Remoulade. Nicht so sehr mein Geschmack, nahm ich mir aus Höflichkeit ein Brot und setzte mich zu den anderen in den Kreis. Was für eine nette Idee, in der Uni gemeinsam zu Abendbrot zu essen! Mich schockte jedoch auch hier der „Machismus“, wollte im Laufe der Veranstaltung ein junger Mann einen weiteren Kaffee trinken. Es musste eine Studentin aufstehen, um ihm nachzugießen, was mich innerlich ganz furchtbar fuchsig machte. Am Ende des Seminars bat mich Norah, nochmals etwas an die Studierenden zu richten. Was war noch zu sagen? Ich bedankte mich, dass ich dabei sein durfte und wünschte ihnen viel Erfolg für das Semester. Danach ging es mit den Gondeln den Weg zurück – insgesamt waren wir mehr als eine Stunde unterwegs und es regnete nun in Strömen. Wie schön, als wir ins trockene Haus ankamen und es den allabendlichen Tee gab.

Ein großes Highlight meiner letzten Woche war dann noch der Samstag vor meinem Abflug. Es stand ein weiteres Pizzabacken an und ebenso meine Tanzstunde für die jungen Leute im Senda. Es ging bereits um 9 Uhr morgens los, indem Norah mich in die Küche des Sendas brachte und einige andere dazu kamen. Wo waren meine Nonnen, die mich so sehr an die Hand nahmen beim letzten Mal? Ich vermisste die Unterstützung, aber nach einem kurzen Sammeln konnte ich die anderen nach und nach anleiten und schließlich lief es wie von selbst und wir hatten einen großen Spaß. Es wurde geknetet und geschnippelt. Dabei lief meine Musik und ich fühlte mich plötzlich so sehr zu Hause. Nachdem alles vorbereitet war, verschwand ich für kurze Zeit mit Fabricio zum Supermarkt, weil ich doch unbedingt für Norah und die anderen Erwachsenen vom Senda wenigstens eine Schokolade als Dankeschön für all ihre Gastfreundschaft kaufen wollte. Der Plan ging auf; niemand bekam unser Verschwinden mit und kurz darauf ging es daran, die Pizzen zu belegen und dann ab in den Ofen. Es gab eine große Tischtafel, an der wir schlussendlich alle die leckere Pizza gemeinsam genossen. Es war geschafft und allen schmeckte es!
Nun stand noch die Contemporary-Stunde aus, vor der ich sehr nervös war, hatte ich doch noch nie eine Tanzstunde für andere ganz alleine gegeben. Einen Abend zuvor konnte ich mir bei Norah einige Choreographien und die passende Musik zusammenstellen, so dass ich immerhin gut vorbereitet anfangen konnte. Und zunächst war das ganze Wohnzimmer voller Menschen, die mir versuchten, zu folgen. Nach und nach kristallisierte sich dann ein harter Kern heraus, mit dem ich schließlich an einer meiner Choreographien gemeinsam weiterarbeitete. Es war so spaßig und anstrengend zugleich! Am kommenden Tag sollte ich den Muskelkater meines Lebens haben. Abends, beim gemeinsamen Suppe-Essen auf dem Boden, überreichte mir Karina eine große, selbstgebastelte Karte aller aus dem Senda mit kleinen Widmungen und Zeichnungen. Wie lieb! Ich war auch hier so sehr gerührt von ihrer Dankbarkeit, die ich ja ebenso für sie alle empfand. Wir machten Fotos und dann hieß es, sich von einigen bereits zu verabschieden. Ich konnte an diesem Abend den Gedanken daran, sie alle lange nicht mehr wiederzusehen, zum Glück etwas ignorieren und war dafür umso glücklicher, einen so schönen Tag mit fast allen noch einmal gehabt zu haben. Norah kam spät abends wieder von einem großen Einkauf; sie hatte neue Computer und Kopierer für das Senda besorgt, die schließlich mit einem Gruppenfoto für die Spender festgehalten wurden. Nach einem langen, bunten und sehr tanzreichen Tag ging es schließlich ins Bett. Am nächsten Tag, meinem letzten Sonntag hier in Bolivien, wurde aber keinesfalls ans Ausschlafen gedacht. Gemeinsam mit Karina fuhr ich früh morgens mit einem Bus zum Titicacasee, wo wir zunächst ein Museum zur Geschichte der dort angesiedelten Völker besuchten und anschließend auf ein Boot stiegen, mit dem wir mehrere Stunden über den See tuckerten. Die Sonne kam heraus und ich verbrachte viel Zeit an Deck und ließ die Landschaft an mir vorbeiziehen. Die Berge, die Weiten des Wassers, hier und da ein paar Kühe auf Feldern, Stille. Von drinnen dröhnte die Musik zu mir durch, zu der die Omas an Bord ohne Ende feierten und tanzten. Was für ein Kontrast! So kam es also, dass ich meinen letzten Tag in Bolivien mit feierwütigen alten Damen und einer Menge frischer Luft verbrachte. Erst spät am Abend kamen wir zurück und nun ging es ans Packen. Ich hatte zum Glück einiges an Shampoos, Cremes und so weiter leer machen können, so dass ich es nach einigen Versuchen, stetigem Drehen und Wenden, tatsächlich schaffte, die vielen, vielen Karten in den Rucksack zu bekommen. Ich konnte nun also erfolgreich die Rolle der Weihnachtspost-Fee übernehmen. Erleichtert konnten Norah und ich nun schlafen gehen. Die letzte Nacht stand bevor. Am Montag den 29.10. hieß es nun tatsächlich Abschied zu nehmen. Norah kochte zu Mittag einen großen Topf Nudeln mit Tomatensoße und wir aßen ein letztes Mal gemeinsam mit allen im Wohnzimmer. Dann mussten Wara und ich uns auf Wiedersehen sagen. Es war traurig, alles andere wäre gelogen. Sie weinte ganz bitterlich und als ich sie so im Arm hielt, kullerten mir auch die Tränen hinunter. Trotzdem erfüllte mich dieser Abschiedsschmerz, denn wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen und haben uns sehr ins Herz geschlossen. Was will man noch mehr nach dieser Zeit? Bevor es schließlich zum Flughafen ging, fuhren wir ein letztes Mal zum Senda, damit ich mich von allen, die dort waren, verabschieden konnte. Ich überreichte Senora Norberta die Schokolade und die dicke Jacke, die sie mir lieberweise für meine Zeit in La Paz auslieh. Und dann ging es los, die Berge hinauf, durch Staus und hupende Autos, bis wir am Flughafen ankamen. Bevor ich tatsächlich einchecken würde, tranken Norah und ich noch eine heiße Schokolade und ich konnte mir noch etwas Kaugummi und Kekse kaufen, denn ein bisschen Geld war noch übrig. Ich hatte das Gefühl, wir versuchten beide den Abschied so lang es ging, hinauszuschieben. Aber irgendwann standen wir dann doch vor dem Check-In-Schalter und nun folgte eine lange, lange Umarmung, Küsse links und rechts. Und dann stand ich alleine vor meinem Gate. Ich fühlte mich so komisch, war ich zwei Monate ständig von Menschen umgehen. Und nun war ich allein. Und es hieß, nach Hause zu fliegen. Chao Bolivia, es war mir eine große Ehre, hier sein zu dürfen und all die Herzensmenschen und ihr Leben etwas kennenzulernen.

 

Was lässt sich also rückblickend noch festhalten? Ich spüre immer noch eine tiefe, tiefe Demut, wie viel Liebe mir entgegengebracht wurde. Ich habe es geschafft, offen und interessiert den Menschen entgegenzutreten und habe auf diese Weise denselben Respekt und viel Zuneigung geschenkt bekommen. Ich habe noch nie in zwei Monaten so viel getanzt und gefeiert. Und ich habe noch nie so viel Weißbrot am Stück gegessen und so viele Menschen so viel Zucker konsumieren sehen (eine Teetasse = 5 Löffel Zucker). Ich habe, wenn auch oberflächlich, viel Armut gesehen, Menschen, denen man ihr hartes Leben sofort ansah, die in für mich unvorstellbaren Lebensverhältnissen hausen, ohne Wasser und Strom. Und dann konnte ich trotzdem immer wieder so viele Ähnlichkeiten im Zwischenmenschlichen entdecken, Sorgen, Themen, die uns Menschen in Deutschland genauso beschäftigen. Die Chicas stritten sich darüber, wer nebeneinander sitzen sollte und waren sauer, wenn jemand mehr Süßigkeiten bekam. Die Kleinen weinten, wenn das Duschwasser zu kalt war und wenn sie so müde waren, dass sie kaum noch stehen konnten. Sie waren auch mal genervt von ihren Hausaufgaben und wollten eigentlich lieber spielen. Dennoch wachsen sie in einer sehr viel disziplinierteren Umgebung auf, was allein schon an ihrer Schrift und ihren unfassbar ordentlich geführten Schulheften erkennbar wird.
Viele Kinder waren sehr sensibel im Umgang mit meinen Sprachschwierigkeiten und entwickelten beinah kleine Wettkämpfe daraus, wer mir etwas besser erklären konnte. Was wurde teilweise gejubelt, wenn ich es endlich verstand! Und so trugen sie viel dazu bei, dass ich mein Spanisch sehr verbessern konnte und kleine Gespräche immer mehr möglich waren.
Bis zum Ende hatte ich immer wieder Probleme mit meiner Rolle als herausgehobene Europäerin. Ich sollte am besten gar nicht putzen, meinen Teller nicht tragen. Überhaupt wurde ich bei Veranstaltungen fast immer extra begrüßt und ausgefragt, woher ich kommen und was ich in Bolivien machen würde. Manchmal konnte ich die Hilfe und das Interesse dankend annehmen und war froh über so viel Freundlichkeit. Manchmal hätte ich gerne deutlicher sagen wollen, dass ich aus keinem „besseren“ Land komme, dass ich doch hier der Gast wäre.

Ich habe in diesen zwei Monaten zwei großartige Projekte besuchen dürfen, die es beide schaffen, dass Menschen unabhängig von ihrer Herkunft ihren eigenen Weg gehen können – davon müsste es so viel mehr geben. Dankbar für all die Eindrücke, die ich als bloße Touristin niemals hätte sammeln können, beende ich nun meine Berichte und sage adiós! Eure Jule

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Vom Abschiednehmen und Kennenlernen

Ein liebes Hallo aus dem verrückten La Paz!

Ich bin nun seit dem 13.10. bei Norah und ihrer Familie. In dieser Zeit ist viel passiert, daher werde ich versuchen, ein Erlebnis nach dem anderen zu berichten. Entschuldigt also eine mögliche Berichtflut, aber es sind viele schöne Dinge geschehen, die hier ihren Platz finden sollten.

Am Freitag vor meiner Abreise im Hogar San Francisco schnappte mich Hermana Mici und nahm mich gegen abend mit, ein paar Mädchen vom Ballett abzuholen. Ich weiss gar nicht mehr, wie es dazu kam, auf jeden Fall hatte ich meine gute Kamera dabei, was sich als Goldfang herausstellte. Denn Hermana Micis Plan war, mir quasi zum Abschied noch einmal viele der bedeutenden Plätze in Cochabamba zu zeigen. Gemeinsam mit den Chicas fuhren wir von einem Ort zum anderen und machten überall Fotos. Am besten gefiel mir dabei der plaza de santa teresa. Überall hingen bunte Girlanden, der gesamte Platz war in warmes Laternenlicht getaucht. Es ertönte Musik und eine Gruppe von jungen Menschen tanzte vor einer kleinen Bar traditionelle Tänze. Was für eine wunderschöne Abendstimmung! Glücklich kehrten wir schon recht spät wieder ins Heim zurück. Da nahm plötzlich Hermana Mici meine Hand und sagte mir, ich solle meine Augen schliessen. Sie führte mich ins erste Haus, alles war dunkel. Da ging das Licht an und ich erblickte alle Mädchen in bunten Kostümen, überall hingen Girlanden, Luftballons und ein riesengrosser Schriftbanner mit dem Text “Muchas Gracias Jule.” Ich, absolut sprachlos, wurde zu einem hergerichteten Sessel in der Mitte des Raumes geführt und sollte hier Platz nehmen. Hermana Mici begann eine kleine Ansprache und erklärte, dass die Mädchen diesen Abend als Dankeschön vorbereiteten und nun viele verschiedene traditionelle Tänze folgen würden. Ich konnte mich gerade noch zusammenreissen, aber als dann die ersten Chicas loslegten, kullerten die Tränen nur so herunter. Es dauerte wirklich lange, bis ich mich etwas zusammenreissen konnte, so gerührt und ergriffen war ich von dieser Mühe und Liebe, die hinter dem Abend steckte. Nach jedem Tanz folgte eine kleine Fotosession mit allen und ich konnte nichts anderes tun, als alle immer wieder zu umarmen und mich zu bedanken. Waren die Tänze und Kostüme schon fantastisch, folgte danach eine Dankesrede der Nonnen mit einem anschliessenden Lied von allen für mich. Und dann kamen auch noch Geschenke und selbstgemalte Bilder. Wo hin mit so viel Herz? Ich war so glücklich, dass ich nachmittags bereits für alle Eis besorgt hatte und ich dieses als Dankeschön für den Abend und überhaupt für diese prägende, intensive Zeit im Heim verteilen konnte. Es folgte also ein wunderbares Eisessen, wobei ich irgendwann entdeckte, das ein Mädchen weinend in der Ecke stand. Das war ein sehr trauriger, ergreifender Moment für mich, aber das Eis und eine lange, lange Umarmung konnten sie etwas trösten. Und dann folgte die eigentliche Feierei. Es wurde bolivische Musik angestellt und die Mädchen begannen, mir viele verschiedene Tänze beizubringen. Wir hatten einen grossen Spass und tanzten bis ein Uhr nachts. Hermana Mici sass mittendrin mit einem Zylinderhut auf ihrer Nonnenkleidung, diesen Anblick werde ich wohl nie vergessen. Am nächsten Tag, nach ca. 4 Stunden Schlaf, ging es dann tatsächlich los zum Flughafen. Viele Mädchen standen extra früher auf, um mir nun wirklich auf Wiedersehen zu sagen. Einige Blicke blieben mir dabei noch lange im Gedächtnis und stimmten mich den Tag über immer wieder sehr traurig. Mich begleiteten lieberweise aber Rosalina und Aydee, die mir besonders ans Herz gewachsen ist und zu einer wirklichen Freundin wurde. Am Flughafen angekommen, realisierte ich so langsam, dass die Zeit hier nun wirklich vorbei sein sollte. Nach vielen Umarmungen und der für mich so wertvollen Aussage, dass ich stets wiederkommen kann, ging ich alleine weiter. Und als ich dann in das Flugzeug stieg, erblickte ich die drei winkend vom Aussichtsturm, hatten sie die ganze Zeit gewartet, bis ich abfliegen würde. Ich wurde also wirklich bis zum Ende begleitet, geht es noch schöner? Voller Dankbarkeit und einer grossen Demut ging es also los nach La Paz!

Schon am Flughafen war der Temperaturunterschied spürbar. Ich wurde wieder von Norah und Wara abgeholt und schwupps ging es ins Senda Nueva und kurz darauf nach Hause. Dieses Mal ereilten mich ein Glück keine Kopfschmerzen, aber müde war ich ohne Ende. Mir war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewusst, dass mir noch ein sehr langer Tag bevorstehen würde. Denn am Samstag war in La Paz das Fest der Kulturen. Hier tanzten auch einige Mädchen und Jungen aus dem Senda mit, weswegen wir natürlich nachmittags in die Stadt loszogen. Die Strassen waren abgesperrt und alles war geschmückt. Eine Gruppe nach der anderen zog bis tief in die Nacht tanzend an den Menschen vorbei, begleitet von Musik und lautem Applaus. Das war vielleicht ein Fest! Ich muss schon sagen, dass die Bolivianer wissen, wie man feiert. Die glitzernden Kostüme, Konfetti und das Feuerwerk waren die Krönung des Festumzugs. Ich war jedoch mittlerweile fast erfroren und so unfassbar müde, dass Norah gegen Mitternacht dann endlich mit mir nach Hause fuhr – was für ein erster, bunter Tag in dieser Stadt! Gleich am Sonntag zogen einige Jungen und Mädchen mit mir los, die “Mondlandschaft” valle de la luna zu besuchen. Die Bergkrater waren sehr beeindruckend und es schien endlich die Sonne, die uns wärmend begleitete. Für mich sehr erleichternd war, dass Fabricio, der im Senda Englischunterricht gibt, mit dabei war und wir uns lange unterhielten. Das erste Mal seit knapp zwei Monaten ein richtiges Gespräch führen, ich kann gar nicht sagen, wie glücklich mich dies machte. Nachmittags kehrten wir zurück in die Organisation und kochten gemeinsam. Danach wurde viel gequatscht und so richtig entspannt. Ich hatte das Gefühl, in einer neuen Freundesgruppe anzukommen, wie wertvoll. In den folgenden Tagen lernte ich nach und nach viele der jungen Erwachsenen kennen und übersetzte immer wieder weiter die neuen Weihnachtskarten. Ein Highlight unter der Woche war der Montag, an dem ich mit Fabricio zum Hexenmarkt loszog. Ein bunter Stand voller Alpakakleidung, Schmuck und bunten Täschen nach dem anderen. Der arme Fabricio wusste wohl nicht, worauf er sich da einliess. Ich wusste überhaupt nicht, wo ich zuerst gucken sollte, also gingen wir erstmal ins Coca Museum, wo es tatsächlich eine deutsche Übersetzung gab. Wir beide, nicht so sehr begeistert, kehrten anschliessend in die Strassen zurück, wobei sich der Himmel bereits gefährlich dunkel verfärbte. Und als ich dann endlich einen Shop auswähtle, begann es ganz furchtbar doll an zu regnen. Im Laden hatte ich dann ja etwas Zeit, mich durch die wunderschönen Pullover und Jacken zu probieren. Ich glaube, die umstehenden Menschen hatten schon etwas Mitleid mit meinem Begleiter, der stets geduldig meine Entscheidungsprozesse begleitete. Am Ende kaufte ich dann tatsächlich eine gemütliche und vor allem warme Jacke und wir zogen lachend in den Regen hinaus. Als Dankeschön durfte ich ihm wenigstens Kekse kaufen und schliesslich kehrten wir völlig durchnässt zurück in Norahs Haus. Dort gab es heissen Tee und warme Decken.

Ich überspringe ein paar gemütliche Tage bei Norah. Mit ihr und der Familie verstehe ich mich sehr gut, so dass ich mich hier richtig heimisch fühle. Wir haben viel zu lachen, wenn eine von uns lustige Versprecher in der anderen Sprache macht. Sie verwechselte letztens Taufe mit Teufel und ich war kurz ganz verwirrt. Ich wiederum gab anstatt “Steckbrief” einen Steckbrief im Sinne von, ich werde von der Polizei gesucht, an, weswegen ich bestimmt eine Stunde immer wieder laut lachen musste, upps. Am Freitag zog ich ein weiteres Mal mit Fabricio los in eine der ältesten Strassen von La Paz. Dort reihten sich Museen an Museen, wobei wir schliesslich in eines über die Musikgeschichte des Landes einkehrten. Das war ein Spass. Wir konnten viele alte Instrumente ausprobieren und entflohen so dem Regen, der sich draussen mal wieder breit machte. Abends nahmen mich schliesslich Karina und Senora Norberta mit zurück zu diesem Plätzchen. Zuerst kehrten wir in eine urige, super gemütliche Kneipe ein und ich trank eine heisse Schokolade, da es draussen mittlerweile eisig kalt war und es ohne Ende gewitterte und regnete. Anschliessend gingen wir in eine Cocktailbar, in der Freunde von Karina Salsamusik spielten und uns zu Beginn als ihre Begleitung vorstellten. Erst spät abends kamen wir bei Norah an. Schnell noch die nasse Kleidung aufhängen, ging es auch schon ins Bett, den am nächsten Tag stand der grosse Ausflug zum Lago Titicaca an. Wir standen um 04:30 Uhr auf und holten bereits eine Stunde später die Leute vom Senda ab, mit denen es dann gemeinsam zum Busbahnhof ging. Nach einer langen, schlafreichen Fahrt kamen wir an einem Hafen an, wobei wir kurz darauf mit dem Boot übersetzten und in den nächsten Bus stiegen. Nach ca. drei Stunden waren wir dann endlich in Copacabana und alle hatten einen Bärenhunger. Wir kehrten in eine Halle ein, wo es Tee, heisse Schokolade und Teigtaschen zum Essen gab. Etwas gestärkt, besichtigten wir erst die grosse Kirche, in der kurz vorher geheiratet wurde. Überall lagen Blumen und es ertönte Musik. Norah erzählte mir, nachdem wir von einem lauten Feuerwerk erschreckt wurden, dass man hier sein Auto taufen könne – vom Pfarrer mit Sekt und Böllern, schon ein bisschen witzig. Anschliessend hiess es nun, den kleinen Berg zu erklimmen. Eine Stufe nach der anderen kamen wir zunächst an einer grünen Wiese an, von der man einen fantastischen Blick auf die Weite des Sees hatte. Wenige Wolken hingen über den Felsen, es sah aus wie ein grosses, weites Meer, das still vor sich hinplätscherte. Weiter ging es nun, die letzten Stufen bis nach ganz oben zu nehmen. Es wurden viele Fotos gemacht und ich suchte mir für eine Weile ein Plätzchen an der Klippe, um einfach nur auf das Wasser zu schauen, was eine beruhigende Wirkung hatte. Nach einer kleinen Trinkpause kehrten wir zum Mittagessen in ein Restaurant am Strand ein, wo es zum Glück Nudeln für Vegetarier gab. Schon verrückt: es gab Salat und Brot sowie eine Suppe als Vorspeise, anschliessend die Hauptmahlzeit und schliesslich Kuchen mit Limonade für umgerechnet vier Euro! Nach der Pause kauften einige von uns ein paar Andenken und schon ging es heimwärts. Im Bus war es still, alle schliefen und wachten erst wieder richtig in La Paz auf. Auf diesen tollen Ausflug folgte gestern nun ein weiterer nach Chinchaya, ein ländlicher Ort etwas hinter La Paz. Dort besitzt das Senda Nueva ein kleines Haus mitten in den Bergen, umgeben von einem kleinen Fluss, wirklich sehr idyllisch. Wir spielten Volleyball, Fussball und das Highlight für mich war eine persönliche Tanzstunde von einem Jungen. Er zeigte mir traditionelle Tanzschritte, wobei ich das erste Mal wirklich merkte, wie unglaublich anstrengend das ist, wow! Aber ich glaube, ich habe mich ganz gut geschlagen, jedenfalls sagte mir Norah, dass ich ein tolles Rhythmusgefühl hätte, juhu. Nachmittags wurde der Ausflug mit weiteren Spielen abgeschlossen, die sehr nass ausfielen. Am Ende gab es eine Art Taufe für alle Neuen, die zuerst von den anderen angemalt wurden und es schliesslich Süsses gab sowie einen eigenen Spitznamen, der auf den Arm geschrieben wurde. Ich bin nun “Julestar”, yeah. Wir fuhren mit einem Transporter und einem Minibus zurück und nach einer heissen Schokolade im Senda und einem Film über die vergangene Sendita Cultural kamen wir spät abends wieder nach Hause. Zum Glück konnten wir heute ausschlafen, wobei ich etwas früher aufstand und für alle Pfannkuchen zum Frühstück bereitete. Das war ein Fest! Mit leckerem Obst, Honig, Käse und Avocado starteten wir in den Tag. Heute Abend darf ich Norah zu ihrem Seminar in der Uni begleiteten und am Wochenende steht noch eine weitere Pizzasession sowie eine Tanzstunde von mir für die jungen Leute an. Ich bin gespannt, denn nun bleibt mir noch genau eine Woche im bunten Bolivien! Abschliessend lässt sich noch sagen, dass ich mich im Senda Nueva sehr wohl fühle. Die jungen Leute sind grossartig, offen und interessiert, weswegen mir ein Einstieg für diese vergleichsweise kurze Zeit sehr erleichtert wurde. Furchtbar lieb ist auch, dass mir hier stets ein vegetarisches Essen gekocht wird, wofür ich so dankbar bin. Zu Beginn der Reise habe ich versucht, das Fleisch mitzuessen, aber es klappt einfach nicht. Es gibt eine schöne, aber auch stressige Tradition hier zum gemeinsamen Essen: ist jemand fertig, bedankt sich die Person, die aufstehen möchte, bei jedem und jeder einzelnen. Das ist gar nicht so einfach für mich, sind die Namen teilweise echt schwer zu merken. Deswegen bleibe ich meistens einfach bis zum Ende sitzen. Problem gelöst!

Dies erstmal als kleiner Einblick in meinen zweiten Teil der Reise. Fotos und alles Weitere folgen natürlich, aber nun gilt es auch erstmal, die restliche Zeit zu geniessen. Ich sende viele Grüsse nach Deutschland, auf bald! Eure Jule

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Das Zeitgefühl benimmt sich wie ein Rennpferd

Buenas tardes!
Was ging die letzte Woche doch schnell um, wie im Fluge sozusagen. Ob dies nun mein letzter Bericht sein wird, den ich aus dem Hogar schreiben werde? Am Samstag geht es nämlich schon weiter nach La Paz, dieses Mal ohne Rückkehr. So langsam kommt hier bereits Abschiedsstimmung auf. Bei dem Gedanken, sie Samstag für eine wahrscheinlich längere Zeit zu verabschieden (denn natürlich will ich wiederkommen!), werde ich richtig traurig und auch viele Mädchen sind in den letzten Tagen besonders kuschelig und nehmen sich vor, mich irgendwo anzubinden, damit ich doch nicht wegfahren kann. Da bin ich ja mal gespannt auf Samstag, ob ich überhaupt zurückkomme, wenn ich doch hier festgekettet bin?

Die vergangene Woche war eine der trubeligsten, seit dem ich hier bin. Leider nicht nur im positiven Sinne. Was passiert ist? Am Donnerstag fuhr ich bereits um 7 Uhr morgens mit Hermana Lucia zur Migrationsbehörde, denn meine ersten 30 Tage des Visums neigten sich dem Ende zu, so dass das Visum verlängert werden musste. Und wie es Behörden und Ämter so an sich haben, verlief es selbstverständlich nicht einfach. Ganz im Gegenteil: der extrem unfreundliche und absolut nicht hilfsbereite Mann meinte aufgrund der Adresse des Heimes könne ich nicht nur zu touristischen Zwecken in Bolivien sein.

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Ein Wochenende in La Paz

Hola zusammen!

Ich melde mich zurück von einem trubeligen und aufregenden Wochenende in der Bergstadt La Paz, denn ich wurde von der lieben Norah zur “Sendita Cultural” eingeladen. Einem Fest voller traditioneller bolivischer Tänze, Musik, Poesie und Theater, alles organisiert von den Jugendlichen der Tagesstätte Senda Nueva.

Samstag um 7 Uhr früh ging es zum Flughafen in Cochabamba. Norah kümmerte sich bereits im Vorhinein um meine Flugtickets und ich musste mal wieder nichts anderes tun, ausser zu vertrauen, dass alles geregelt wird. Und so war es auch dieses Mal. Hermana Miki begleitete mich bis zur Gepäckkontrolle, danach stand ich plötzlich wieder alleine auf einem Flughafen. Ein etwas komisches Gefühl überkam mich spontan, kamen Gedanken an meinen Beginn der Reise hier hoch und genauso das Gefühl, bereits abzureisen. Im Flugzeug sass ich gefühlt die gesamten 40 Minuten staunend und mit offenem Mund am Fenster und konnte mich nicht satt sehen an dieser wunderschönen Berglandschaft. Nebelschwaden über den vereisen Bergspitzten, Wolkenmeere gefangen zwischen den Giganten, alles beschienen von einem glitzernden Sonnenlicht. In La Paz angekommen stolzierte ich voller Vorfreude aus dem Flughafen und da war … keine Norah. Ich ging überall nachsehen, hinaus, hinein, nochmal hinaus. Ich hatte weder Internet noch eine Handynummer und ganz langsam wurde mir etwas mulmig. Bevor ich wirklich panisch werden konnte, und nachdem mir ca. 10 Taxis angeboten wurden, kamen Norah und ihre Tochter mir glücklicherweise entgegengelaufen. Der Flug war wohl schneller, als angenommen, sagte Norah (oder sie waren einfach nur etwas zu spät, wer weiss das schon). Egal, alles gut, wir fuhren los. Erneutes Staunen meinerseits über die Landschaft und wenig später über den Verkehr. Sowas habe ich noch nicht einmal in Cochabamba erlebt. Ungefähr 200 Fahrzeuge, kreuz und quer auf einer Strasse verteilt, lautes Hupen, kein Vorankommen, jeder versuchte, sich irgendwie an dem nebenstehenden Auto vorbeizudrängeln.

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Vom Glück einen Berg bestiegen zu haben

Liebe Leute,

es wird Zeit für einen neuen Beitrag. Es ist gar nicht so einfach, Zeit zum Schreiben zu finden. Eben gerade kam Lucie an und fragte, ob ich sie nun wieder anmalen könne: so viel zum Thema “Henna” aus dem vorherigen Beitrag.

Auch die letzte Woche war bunt und ereignisreich. Es hat sich nun so entwickelt, dass ich sowohl Montags als auch Mittwochs Miriam zum Ballett begleite. Ich finde es sehr sinnvoll, dass jemand mitkommt, möchte ich mir ein so junges Mädchen ungern im allabendlichen Stadttrubel vorstellen. Die Autos und Busse fahren wortwörtlich kreuz und quer, wenn man einen Bus nehmen möchte, winkt man dem Busfahrer an irgendeiner Ecke zu und rennt anschliessend zwischen all den anderen Fahrzeugen zur Tür. Ein Glück kennt Miriam den Weg! Alleine würde ich hier mit Sicherheit auf der falschen Seite der Stadt landen. Unsere gemeinsamen Fahrten werden nun von einem kleinen Ritual begleitet, das sich ganz heimlich eingeschlichen hat. Jede Woche gibt es ein kleines Eis oder Kekse vor der Ballettstunde. Diese Woche haben wir deswegen schon den ersten Bus verpasst, aber psst…es hat noch alles funktioniert. Im Bus habe ich dann stets nach kurzer Zeit einen kleinen Kopf auf meiner Schulter und mir wird ins Ohr geflüstert, ob sie mit dem Handy spielen darf. Und natürlich darf sie! Ach, irgendwie geht da mein Herz auf: die Kleine, Kekse mampfend und irgendwelche alten Spiele auf meinem Handy spielend, neben mir. In der Zeit lehne ich mich zurück und lasse die vorbeiziehenden Berge, die vielen bunten Busse und die unterschiedlichen Menschen auf mich wirken.

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"Sie versteht es nicht" verstehe ich

Hola liebe Menschen,

nun kann ich endlich meinen ersten Eintrag verfassen. Und wie sollte es anders sein? Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll, denn die Tage sind bisweilen gefüllt von tausend neuen Eindrücken! Also einfach mal der Reihe nach.

Meine Hinreise verlief ohne Probleme. Hatte ich vorher schon öfters gehört, dass das Gepäck gerne mal ein paar Tage später eintrudelt, durfte ich meinen Rucksack ein Glück sofort mitnehmen. Am Flughafen in Cochabamba wurde ich dann herzlichst begrüßt. Hermana Mici und ein paar Mädchen holten mich mit Luftballons und Blümchen und einem großen Schriftbanner ab, was ein wirklich schöner Start in dieses kleine Abenteuer war. Im Hogar angekommen überkam mich dann die große Müdigkeit und nach einem kurzen Kennenlernen der Hermanas und einigen Kindern legte ich mich erstmal etwas hin. So viel Neues aufeinmal. Zum Glück hatte und habe ich keine Probleme mit der Luft hier in Bolivien, so dass mir Kopfschmerzen erspart blieben. Gleich am ersten Tag bin ich dann noch mit zwei Mädchen in die Stadt gefahren, um etwas Geld umzutauschen und eine neue Simkarte mit Internetzugang zu kaufen. Da konnte ich dann auch schon etwas Cochabamba-Luft schnuppern. Auf dem Rückweg saßen wir in einem kleinen, stickigen Bus. Begleitet wurde die holprige Fahrt über Sandstrassen von der Musik der Backstreetboys und ich realisierte zum ersten Mal, dass ich nun ganz schön weit weg von Zuhause bin: Hallo Bolivien!

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