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Hola zusammen!

Ich melde mich zurück von einem trubeligen und aufregenden Wochenende in der Bergstadt La Paz, denn ich wurde von der lieben Norah zur “Sendita Cultural” eingeladen. Einem Fest voller traditioneller bolivischer Tänze, Musik, Poesie und Theater, alles organisiert von den Jugendlichen der Tagesstätte Senda Nueva.

Samstag um 7 Uhr früh ging es zum Flughafen in Cochabamba. Norah kümmerte sich bereits im Vorhinein um meine Flugtickets und ich musste mal wieder nichts anderes tun, ausser zu vertrauen, dass alles geregelt wird. Und so war es auch dieses Mal. Hermana Miki begleitete mich bis zur Gepäckkontrolle, danach stand ich plötzlich wieder alleine auf einem Flughafen. Ein etwas komisches Gefühl überkam mich spontan, kamen Gedanken an meinen Beginn der Reise hier hoch und genauso das Gefühl, bereits abzureisen. Im Flugzeug sass ich gefühlt die gesamten 40 Minuten staunend und mit offenem Mund am Fenster und konnte mich nicht satt sehen an dieser wunderschönen Berglandschaft. Nebelschwaden über den vereisen Bergspitzten, Wolkenmeere gefangen zwischen den Giganten, alles beschienen von einem glitzernden Sonnenlicht. In La Paz angekommen stolzierte ich voller Vorfreude aus dem Flughafen und da war … keine Norah. Ich ging überall nachsehen, hinaus, hinein, nochmal hinaus. Ich hatte weder Internet noch eine Handynummer und ganz langsam wurde mir etwas mulmig. Bevor ich wirklich panisch werden konnte, und nachdem mir ca. 10 Taxis angeboten wurden, kamen Norah und ihre Tochter mir glücklicherweise entgegengelaufen. Der Flug war wohl schneller, als angenommen, sagte Norah (oder sie waren einfach nur etwas zu spät, wer weiss das schon). Egal, alles gut, wir fuhren los. Erneutes Staunen meinerseits über die Landschaft und wenig später über den Verkehr. Sowas habe ich noch nicht einmal in Cochabamba erlebt. Ungefähr 200 Fahrzeuge, kreuz und quer auf einer Strasse verteilt, lautes Hupen, kein Vorankommen, jeder versuchte, sich irgendwie an dem nebenstehenden Auto vorbeizudrängeln.

Nach 20 Minuten kamen wir endlich voran, indem Norah laut hupend eine Lücke ausnutzte und wir so dem Autochaos entkamen. Wir fuhren direkt ins Senda Nueva. Kurz ankommen, etwas Brot essen und Matetee trinken. Der war besonders nötig, denn hier in La Paz merkte ich plötzlich doch die hohe Lage anhand von Kopfschmerzen und einer extremen Müdigkeit. Anschliessend ging es zu Norahs Haus und nachdem sie mir alles zeigte, durfte ich mich für zwei Stunden hinlegen. Es galt, Kräfte und Gedanken für das anstehende Fest zu sammeln. Nicht wirklich ausgeruht, aber derart neugierig, fuhren wir am frühen Nachmittag zurück zur Tagesstätte. Es war bereits alles gedeckt: das gemeinsame Essen vor dem grossen Abend konnte beginnen. Man spürte die angenehme Anspannung. Die restlichen Vorkehrungen wurden getroffen, bereits einige Mädels frisiert und dann ging es schwerbepackt weiter zum Kulturhaus, wo das Fest stattfinden sollte. Kostüme wurden angezogen, schminken, Haare machen, ein letztes Mal die Tänze proben. Ich gesellte mich zwischenzeitlich zu den jungen Frauen und unterhielt mich, sofern es möglich war, mit einer 20 Jährigen über die Traditionen in Bolivien und Deutschland. Danach nochmal kurz in die Sonne, denn im Theater war es wirklich kalt. Und schon ging es los! Wir sassen in der ersten Reihe und eine wirklich bunte Show folgte! Besonders gefielen mir die Kostüme, die Tänze zur Musik und das Geigenspiel. Nach der ersten Vorstellung waren alle, inklusive mir, furchtbar müde und erschöpft und um kurz vor Mitternacht ging es endlich ins Bett.

Mein zweiter Tag in den Bergen begann mit einem Ausflug in den Gondeln hier in La Paz. Über die gesamte Stadt ist ein Gondelnetz installiert, mit verschiedenen Routen kann man bis hoch oben auf die Berge fahren. Genau das tat ich gemeinsam mit Liz, einer jungen Frau aus dem Senda Nueva. Der Ausblick war fantastisch, das Gondelfahren beruhigend. Ganz oben einmal angekommen, machten wir uns bald wieder auf den Rückweg, denn es war doch sehr kalt in dieser Höhe. Wir landeten schlussendlich auf einem Sonntagsmarkt nahe der San Francisco Kirche. Endlich einmal etwas bummeln! Da ging mein Stöberherz auf. Nachdem ich mich jedoch nicht entscheiden konnte, wo ich anfangen sollte, und die arme Liz nicht unnötig lange warten lassen wollte, beschloss ich, kurz vor Abflug noch einmal wiederzukommen und hier mein letztes Geld zu lassen. Weiter ging es in die Kirche, in der gerade der Gottesdienst gehalten wurde. Der Pfarrer hatte Geburtstag und spontan stand die Gemeinde auf und klatschte und sang ein Geburtstagslied. Dazu noch der unfassbar schöne Gesang und das Gitarrenspiel eines Mannes und ich musste doch tatsächlich ein paar Tränchen verdrücken, ganz gerührt war ich von dieser Stimmung. Ich mache es kurz: Auf dem Heimweg gab es noch ein Eis und wir fuhren mit dem Minibus zurück zu Norah. Im Haus bereiteten wir das Mittagessen gemeinsam vor und nach einer kleinen Pause ging es erneut ins Theater. Die gleiche Show wie am Vorabend folgte, einmal nachmittags, einmal abends, dieses Mal machte ich ganz frech ein paar Fotos mit meiner guten Kamera.

Und dann? Dann kam eine riesengrosse Überraschung. Norah stand gerade am Ende der Vorstellung auf der Bühne, lobte den Einsatz der Beteiligten. Hörte ich da etwa richtig? Alemania”, “voluntaria”? Sie war tatsächlich im Begriff, meine Wenigkeit zu erwähnen und schwupps wurde ich auf die Bühne gebeten! Ich war so überrumpelt und von einem Applaus begleitet, stratzte ich wie benommen die kleine Treppe hoch zu den Darstellenden und Helfenden. War das nicht schon genug Aufregung, hatte ich plötzlich eine Mikrophon vor mir und Norah bat mich, ein paar Worte an die Menschen zu wenden. Weil alles so spontan und überrumpelnd war, konnte ich zum Glück gar nicht viel vorher nachdenken, und brachte auf spanisch hervor, dass ich kaum spanisch sprechen würde, Norah doch bitte übersetzen möge. Und dann bedankte ich mich für die Einladung und für diese schöne Show, für die Mühe und Zeit der Jugendlichen. Was Norah schlussendlich dem Publikum sagte, weiss ich nicht genau, aber es schien zu gefallen, denn der Abschlussapplaus war laut. Ein gemischtes Gefühl: Ich hatte nichts für dieses Fest getan, so viel Dankbarkeit nur für eine blosse Anwesenheit. Auch beim Hinausgehen wollten mir plötzlich viele Besucher/innen die Hand geben und sich von mir verabschieden. In solchen Momenten wünschte ich, den Menschen ausführlicher sagen zu können, wie gerne ich bei ihnen bin und wie schön es ist, dass ich hier sein kann. Dennoch war es mir möglich, diese grosse Dankbarkeit ebenso dankbar anzunehmen und ich ging ganz gerührt in die Umkleide zu all den anderen zurück. Fotos machen, feiern, dass alles geschafft ist, etwas essen und trinken und schliesslich abbauen. Es waren zwei lange, intensive und furchtbar bunte Tage. Ich bin sehr froh, dieses Fest miterlebt haben zu dürfen und noch einmal einen ganz anderen Einblick in die Traditionen Boliviens bekommen zu haben.

Am Montag ging es ebenfalls früh wieder zurück. Wie ich erfuhr, hatte ich Glück, noch zum Flughafen zu kommen, denn an dem Tag waren viele Proteste und Demonstrationen in La Paz angedacht gegen die aktuelle Politik der Stadt. In Cochabamba angekommen, holte mich wieder eine strahlende Hermana Miki ab. Im Heim überkam mich dann ein wunderschönes Gefühl des “nach-Hause-kommen.” Alles so vertraut, Mädchen im Arm, eine glückliche Jule. Und damit schliesse ich den kleinen Einblick in ein spannendes Wochenende. Nun brechen meine letzten zwei Wochen hier an und es gibt noch so viele Pläne.

Bis zum nächsten Bericht!

Eure Jule

Tags: main, jule, 2018

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